Hasten Historic, die Siebte

Von Jochen Schnell

Hasten Historic, die Siebte

Am Wochenende der Hasten Historic strahlte in den vergangenen Jahren immer die Sonne vom Himmel. Das war zwar 2011 leider nicht so ganz der Fall und die Temperaturen waren auch nicht gerade sommerlich. Doch bis auf einen kurzen Regenschauer am Morgen blieb es den ganzen Tag über trocken und selbst die Siegerehrung konnte im Freien durchgeführt werden!<--break->

Es war wiederum eine gelungene Sache, was die Organisatoren rund um Orga-Chef Klaus Picard, den 2. Vorsitzenden des ACBL Andreas Becker und Fahrtleiter Jörg Stursberg da auf die Beine, oder besser Räder gestellt hatten. Rekordverdächtige 105 Nennungen waren eingegangen. Einige weitere Nennungen konnten bedauerlicherweise nicht mehr berücksichtigt werden, da sie viel zu spät abgeschickt worden waren. „Wir sind schon ein wenig stolz auf diese Menge von Teilnehmern, was uns aber einmal mehr bestätigt, dass wir mit unserem Konzept eine Veranstaltungsform gefunden haben, die ankommt,“ berichtet ACBL-Vize Andreas Becker stolz.
Bereits früh am Morgen trafen die ersten Teilnehmer auf dem Gelände der Firma CA Picard im Remscheider Morsbachtal ein, wo nach einem gemeinsamen Frühstück und der obligatorischen Fahrerbesprechung, nicht ganz pünktlich um kurz nach neun, auch der Start erfolgte. Gleich nach ein paar Kilometern galt es schon die erste Zeitprüfung zu absolvieren. Einige knifflige Aufgabenstellung im Bordbuch sollten folgen, darunter auch ein „Chinesen-Labyrinth“ im Industriegebiet Großhülsberg. Obwohl die logische Reihenfolge der Zeichen eigentlich entsprechend einzuhalten war, verirrte sich doch so manches Team, weil es nicht genau genug geprüft hatte, ob nun rechts oder links abgebogen werden musste, ob es schräg geradeaus oder durch einen Wendehammer ging… Jeder nicht gefundene oder falsch angefahrene Kontrollpunkt wurde gnadenlos mit Strafpunkten geahndet. Die von vielen Teilnehmern als „sehr schön durch das bergische Land“ bezeichnete Fahrtroute führte weiter über Beyenburg und Königsfeld nach Hückeswagen, wo im Industriegebiet Wiehagen bei der Firma Johann Clouth die obligatorische Mittagsrast eingelegt wurde.
Gut gestärkt wartete anschließend gleich die nächste Orientierungsetappe. Die Aufgabe lautete: „Fahren Sie von Zeichen 1 bis Zeichen 22“. Jeder, der das nicht korrekt einhielt, bekam an einer Kontrollstelle einen Stempel in Form eines „Kamels“ in seine Bordkarte. Beobachten zu können, wie viele Beifahrer dort nicht gleich den richtigen Weg fanden, bereitete dem Fahrtleiter, der die Aufgaben zusammengestellt hatte, sichtliches Vergnügen: „es ist immer wieder faszinierend, wie unbedarft mancher Teilnehmer an die Sache herangeht, dabei wäre es im Grunde so einfach, die Aufgaben nacheinander exakt zu absolvieren. Man muss dafür nur genau hinsehen und die richtige Reihenfolge einhalten. Das ist ganz sicher keine Schadenfreude, spornt aber an, sich für das nächste Jahr wieder ähnliche Aufgaben auszudenken.“
Weiter führte die Route an der Bever vorbei über Egen nach Radevormwald. Dort wurden die wunderschönen Oldtimer vom uralten Oakland Standard aus dem Baujahr 1917, der sich übrigens im Besitz eines Radevormalder Bürgers befindet, bis hin zum VW Käfer Kabriolett aus dem Jahre 1975 zur Kaffepause erwartet. Auf dem historischen Marktplatz hatten neben Wirtin Marija Klacik vom "Matt" besonders Hartmut Behrensmeier von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Jörg Becker vom Stadtsportverband für einen ansprechenden Rahmen gesorgt und waren auch noch persönlich beim Verteilen von Getränken und Kuchen an Fahrer und ihre Passagiere im Einsatz. Als die Oldies auf vier Rädern in der Radevormwalder Innenstadt langsam eintrudelten, wurden sie von Moderator Maz Becker einzeln vorgestellt. Dabei kam der Mann am Mikro aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: "Ein wunderbares Fahrzeug dieser Wagen aus dem Jahre 1930. Und so gut gepflegt", lobte er zum Beispiel den Packard Roadster von Manfred Musial, der extra aus Belgien angereist war. Komplimente verteilte Becker auch an viele andere Schätzchen aus dem „rollenden Museum“, egal, ob es sich dabei um einen Käfer aus dem Jahre 1956, ein Opel Kadett Coupé, einen Wartburg oder einen kleinen Fiat handelte. Nach einer weiteren kleinen Schleife über verkehrsarme Nebenstraßen erreichten die Teilnehmer dann gegen 16 Uhr das Ziel auf dem Theodor-Heuss-Platz in Remscheid.
Gleich neben der "EssKULTour" auf der Alleestraße wurden die rüstigen "Oldies" zur weiteren Attraktion des Samstags. Mal einzeln, mal im Pulk trafen die Wagen am Rathaus ein, wo sie nach einer letzten Sonderprüfung von Moderator Bernd Hamer begrüßt und den Zuschauern vorgestellt wurden. Vorneweg Organisationsleiter Klaus Picard mit seinem BMW Z 8 als Vorausfahrzeug. Das ist zwar noch kein Oldie, aber für Auto-Enthusiasten allemal ein sehenswertes Automobil. Wie ein richtiger Oldtimer ist der BMW eine Rarität, und hat "Geschichte", wurde ein solches Gefährt doch von James Bond im Film "Die Welt ist nicht genug" benutzt. „Heute war es der Verpflegungswagen für die vielen Helfer an der Strecke, die wir mit einem bergischen Imbiss versorgt haben,“ erklärt Picard.
Der erste richtige „Oldie“ kam mit Monika und Florian Winterschlade ins Ziel: Ebenfalls ein BMW, aber ein Cabrio von 1938. Einem Daimler-Benz, "nur 50 Jahre alt", folgte ein 82 Jahre alter Ford A Roadster mit "Schwiegermuttersitz". Dann kam der leuchtend rote Packard-Roadster von 1930 mit schwarzem Klappdach und blitzendem Chrom auf den Platz. „Eine wahre Rarität“, erzählte Beifahrer Martin Musial: "einer steht im Museum, einer wird gerade restauriert und der dritte noch existierende, ist heute hier in Remscheid!" Dabei strahlte er „über alle 4 Backen“ und war mindestens so stolz wie der Fahrer Manfred Musial, der extra aus Belgien zur Hasten Historic angereist war.
So reihten sich im Verlaufe der nächsten Stunden etwa 100 Oldies vor dem Rathaus auf, darunter neben einem kleinen MG Midget auch ein für heutige Verhältnisse riesengroßer Horch von 1936, der mit Beppo Seidel am Steuer ebenfalls die 140 Kilometer absolviert hatte. Die Fahrzeuge werden von den zahlreichen Zuschauern gebührend bewundert und fotografiert. „Mit dem Zieleinlauf im Herzen von Remscheid haben wir ganz sicher einen Volltreffer gelandet“, freut sich Andreas Becker vom ACBL. Seit dem Vorjahr ist er für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Hasten Historic verantwortlich. Neben dem sehr ansprechenden Programmheft, das er gestaltet hat, knüpfte er auch die richtigen Kontakte, um den Zieleinlauf mit der "EssKULTour“ zu verbinden. „Für Remscheid eine tolle Sache, die ihre Fortsetzung haben muss,“ war die Meinung vieler, die in Remscheid etwas bewegen wollen. Also freuen wir uns schon jetzt auf die nächste Hasten Historic, die sich von einer Oldtimerrallye im Remscheider Stadtteil zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Stadt Remscheid gemausert hat.
Danke sagen die Veranstalter aber nicht nur den vielen Sponsoren, wobei hier stellvertretend die Gedore-Gruppe, die Stadtsparkasse Remscheid und die Firma C.A. Picard erwähnt sein sollen, sondern auch den zahlreichen Helfern entlang der Strecke, die als Stempelposten, Zeitkontrolleur, Voraus- oder Schlußfahrzeug im Einsatz waren. Ohne sie wäre eine solche Großveranstaltung gar nicht möglich!
 
 

 

 

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